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Mittwoch, 28. Juli 2010

Bürgerinitiative gegen geschenktes Museum

Mathildenhöhe Darmstadt


Bürgerinitiative gegen geschenktes Museum

Ein Museumsneubau auf der Mathildenhöhe in Darmstadt erhitzt die Gemüter. Jetzt hat eine Bürgerinitiative mobil gemacht. Sie will den Neubau nicht - nicht einmal geschenkt.

"Das passt absolut nicht hierher", so die einhellige Meinung von Anwohnern. Sie haben die Bürgerinitiative "SOS Mathildenhöhe" gegründet und kämpfen gegen den geplanten dunkelbraunen Backsteinbau. Im Internet haben die aufgebrachten Anwohner schon über 500 Unterstützer, als nächstes soll eine Online-Petition gestartet werden.

Die Kritik der Mitglieder der Bürgerinitiative wird zum Teil auch von Fachleuten geteilt. Der Leiter des Institus Mathildenhöhe, Ralf Beil, hat große Bedenken gegen den Museumsneubau. "An der Stelle ist keine städtebauliche Lücke zu schließen", so Beil im hr-fernsehen. Im Gegenteil: Das Terrain der Mathildenhöhe weise an der Stelle eine "wohltuende Großzügigkeit" auf, die mit dem Neubau unwiederbringlich verloren ginge.  mehr >>>hr-online

Dienstag, 27. Juli 2010


Museumsstreit: Grüne kritisieren Magistrat

DARMSTADT. 
Der Streit um den Museumsbau auf der Darmstädter Mathildenhöhe geht weiter. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Stadtparlament hat den Magistrat wegen des Vorgehens beim Museum Sander kritisiert. ,,Die Bürgerbeteiligung ist bei der Magistratsvorlage missachtet worden", schreiben die Grünen in einer am Dienstag eingereichten Großen Anfrage. Die Mathildenhöhe sei der ,,markanteste Identitätsort unserer Stadt". Diese Identität könne nicht im ,,anonymen Hauruckverfahren" entwickelt werden, heißt es darin. ,,Expertenbewertungen sind unverzichtbar, die Ansicht der Bürgerschaft aber auch." Das Stadtparlament hatte im September 2009 der Vergabe des Grundstückes in Erbbaurecht zum Zweck des Museumsbaus zugestimmt. Damals hatten die Grünen der Vorlage noch zugestimmt, Gegenstimmen kamen nur von Uwiga und Uffbasse.
Für Hildegard Förster-Heldmann, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion, ist das Vorgehen des Magistrats gleichwohl zu beanstanden. In der Anfrage erkundigen sich die Grünen unter anderem nach der Dringlichkeit, die zu einer vorzeitigen Protokollierung des Vertrages mit der Familie Sander geführt habe. ,,Weshalb", fragen die Grünen, ,,wurde die Fläche vergeben bevor die Prüfung zur ,Weltkulturerbe'-Fähigkeit abgeschlossen war?"
Die Grünen beziehen sich außerdem auf ein Faltblatt des Koordinators Mathildenhöhe, dem zufolge die Stifter mit ihrem Museumsneubau einem Vorschlag der Stadt Darmstadt folgten. ,,Auf welcher Grundlage wurde dieser Vorschlag unterbreitet, welche Gremien haben darüber beraten?", heißt es in der elf Punkte umfassenden Anfrage, die auch eine Prüfung der in Rede stehenden Gemäldesammlung einfordert und fragt, weshalb die Vorlagen jeweils nichtöffentlich behandelt wurden.
Am Montagabend hatten rund 40 Darmstädter die Bürgerinitiative ,,SOS Mathildenhöhe Darmstadt" gegründet. Sie begrüßt die Stiftung eines neuen Museums, hält jedoch die Architektur und den geplanten Ort für unpassend. Quelle echo-online

Pressemitteilung der Bürgerinitiative 'SOS MD' vom 27.7.2010:

Pressemitteilung der Bürgerinitiative 'SOS MD' vom 27.7.2010:

SOS für die Mathildenhöhe

Bürgerinitiative gegen das geplante Sander-Museum hat sich formiert – 40 Gründungsmitglieder

Erstes Treffen, 40 Teilnehmer – und ein Ziel: Kein Museum Sander auf dem Südhang der Darmstädter Mathildenhöhe. Was in der virtuellen Welt mit einer Gruppe im Internet-Netzwerk „Facebook“ begann, ist in der Realität angekommen. Seit Montagabend gibt es eine Bürgerinitiative (BI), die gegen den geplanten Bau eines Kunstmuseums am Südhang der Darmstädter Mathildenhöhe argumentiert.

Sprecher der Initiative ist Stefan Zitzmann, der vor wenigen Wochen auch die Protestgruppe bei Facebook gegründet hat. 550 Anhänger hat diese Seite mittlerweile. Daraus ist nun die Bürgerinitiative „SOS Mathildenhoehe Darmstadt“ entstanden. Der Name soll deutlich machen, dass durch den geplanten Museumsbau der wohl eindrucksvollste Ort Darmstadts, weltweit bekannt durch seine einzigartige Jugendstilarchitektur, erheblich Schaden nehmen wird.

Die Gründungsmitglieder der BI, begrüßen das Angebot der Kunstsammler Gisa und Hans-Joachim Sander, der Stadt einen Museumsneubau zu stiften – halten jedoch Architektur und Ort für das geplante Gebäude für unpassend. „Wir wollen keinen Kubus am Südhang“, sagt Zitzmann. „So ein Klotz wirkt in dem einmaligen architektonischen Jugendstilensemble wie ein Fremdkörper.“

Die BI betont, keineswegs nur eine plumpe Gegenhaltung einzunehmen. „Wir sind keine Krawallmacher“, betont Zitzmann. Dies entspreche nicht dem Geist der Gründungsveranstaltung, zu der auch viele Bewohner der Mathildenhöhe gekommen waren, die mit viel Sachkenntnis diskutierten. Sogar über einen Alternativstandort für das Museum. So können sich viele BI-Mitglieder vorstellen, dass auf dem bisher eher tristen Osthang der Mathildenhöhe Platz für die Sander-Bilder ist. Selbst die Kubus-Architektur wäre hier noch zu tolerieren.

Die nächsten Schritte der BI „SOS Mathildenhoehe Darmstadt“ werden sein: Aufbau einer Internetseite, die auch international beachtet werden soll – deswegen die Schreibweise oe bei Mathildenhöhe. Außerdem ist vorgesehen, die Darmstädter Bürgerinnen und Bürger via Flugblätter und Plakaten für das Museumsthema zu sensibilisieren. Innerhalb der Initiative werden Fachausschüsse gebildet, um Themen wie Architektur, Recht und Öffentlichkeitsarbeit professionell zu bearbeiten. Schließlich soll auch ein Schirmherr für die BI gefunden werden.

Die Bürgerinitiative versteht sich als Interessenvertretung aller Darmstädter, unabhängig ihrer politischen Gesinnung. Entsprechend heterogen ist die BI auch besetzt: CDU-Mitglieder, Sozialdemokraten, Grüne sowie erklärte Linke haben sich hier für ein gemeinsames Ziel zusammengefunden, nämlich die Schönheit der Mathildenhöhe Darmstadt zu bewahren.

Für Rückfragen stehen zur Verfügung:

BI-Sprecher: Stefan Zitzmann, Telefon: 0175 – 36 63 166

Pressebetreuung: Steffen Gerth, Telefon: 0163 – 30 46 600


Email  mail@sos-mathildenhoehe-darmstadt.de
BÜRGERINITIATIVE
SOS Mathildenhoehe Darmstadt

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Mathildenhöhe Darmstadt,

wir blicken auf einen ereignisreichen Abend zurück und wie Sie bereits Presse, Funk und Fernsehen* entnehmen konnten, hat die Gründung unserer Bürgerinitiative eine breite Resonanz gefunden.
Die Partei Bündnis90/DieGrünen hat zudem gestern im Darmstädter Stadtparlament eine 'große Anfrage' eingereicht - die Sie im Anhang dieser Email finden - und es liegt nahe, daß auch die Konstituierung unserer Bürgerinitiative ein gerüttelt Maß dazu beigetragen haben mag..

...erste, wenn auch kleine Erfolge sind also zu verzeichnen!

Wie Sie meiner Absendeadresse entnehmen können, haben wir uns bereits die Domain 'www.sos-mathildenhoehe-darmstadt.de' gesichert und hoffen, Sie alsbald darüber mit weiteren Informationen und einer Online-Petition versorgen zu können.
Dazu bedarf es jedoch Ihrer Hilfe! Bestimmt erinnern Sie sich, daß wir Sie darum baten, hinter Ihre Adresse auch einen 'Fachausschuß' zu benennen, in dem Sie sich und Ihr Wissen einbringen möchten. Leider wurde dieses Feld nur sehr rudimentär ausgefüllt, sodaß ich Sie heute abermals bitten möchte, mir via Email Kund zu tun, wie Sie sich gerne engagieren würden.

Zu Ihrer Erinnerung seien die einzelnen Ausschüsse noch einmal benannt:

1. Internetauftritt/Domain: Hier gälte es sich über Form und vor allem den Inhalt Gedanken zu machen. Was schreiben? Wie präsentieren? Ihr ausgezeichnetes Ausdrucksvermögen ist gefragt!
2. Schirmherren und Förderer: Sind Sie im Englischen versiert genug um 'Prince Charles' nach einer Schirmherrschaft anzufragen? Diesem ist die Mathildenhöhe mehr als bekannt, schließlich war seine Lieblingstante Margaret eine Darmstädterin. Schreiben Sie Herrn Beil, fragen Sie Günther Jauch, der hat ohnehin noch eine Rechnung mit Herrn Sander offen.
3. Presse: Herr Steffen Gerth ist bereits mit der Rolle des Pressesprechers betraut. Haben Sie gute Kontakte zur Presse? Unterstützen Sie ihn!
4. Stadtverordnete/Politik: Wir suchen den Brückenschlag zur Politik! Haben Sie Kontakte zu einzelnen Stadtverordneten, Politikern in Land und Bund?
5. Rechtsfragen: Helfen Sie uns, kompetente und erfahrene Juristen mit den Schwerpunkten Vertrags-, Baurecht und Denkmalschutz zu finden. Eruieren Sie bei den Denkmalämtern auf Landes- und Bundesebene, ob der Sanderbau mit dem geltenden Recht vereinbar ist. Kontaktieren Sie die Europäische Sektion des Weltkulturerbeausschusses in Paris.
6. Graphiker: Helfen Sie uns, Plakate, Handzettel und ein Logo werbewirksam zu gestalten!
7. Geologen: wir haben erhebliche Zweifel daran, daß der Südhang in diesen Dimensionen bebaut werden kann, ohne Schäden an den umliegenden, denkmalgeschützten Häusern zu verursachen (siehe die entstandenen Schäden beim Bau der 'Galerie Sander'). Nehmen Sie Kontakt zu einem erfahrenen Geologen auf und beantragen Sie im Namen der BI ein dementsprechendes Gutachten.
8. Öffentlichkeitsarbeit: der wichtigste Job! Engagieren Sie sich auf der Straße! Besetzen Sie einen Stand auf dem Luisenplatz. Sprechen Sie Besucher der Mathildenhöhe an und bitten Sie diese, sich in die Unterschriftenliste gegen den Sanderbau einzutragen. Verteilen Sie unsere Listen. Reden Sie mit Nachbarn und Freunden und versuchen Sie diese zu bewegen, gleichfalls Listen zu verteilen. Ihr Netzwerk ist größer als Sie denken und Ihr Beitrag unendlich wichtig!! 10.000 gesammelte Stimmen sind 10.000 Wähler bei der anstehenden Kommunalwahl im März 2011!

Zum Schluß die Erinnerung an unser nächstes Treffen am Montag, den 9. August 2010, 19:00 Uhr. Den Ort geben wir Ihnen zeitig bekannt.

Ich danke Ihnen recht herzlich für Ihr Engagement und verbleibe einstweilen mit herzlichen Grüßen,

stets Ihr
Stefan Zitzmann

Bürgerinitiative gegen Museum Sander am Südhang gegründet


Bürgerinitiative gegen Museum Sander am Südhang gegründet

Bürgerprotest: ,,SOS Mathildenhöhe" will den Museumsbau am Alexandraweg verhindern
DARMSTADT. 

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Der umstrittene Sieger-Entwurf von Benedikt und Ansgar Schulzaus Leipzig. Archivfoto: Günther Jockel
Darmstadt hat eine neue Bürgerinitiative. Die Gruppe ,,SOS Mathildenhöhe Darmstadt" will den Bau des Museums Sander am Südhang der Mathildenhöhe verhindern. Das verabredeten rund 40 Darmstädter am Montagabend in einer Gaststätte, in die das Treffen am vorgesehenen Bauplatz wegen des schlechten Wetters verlegt worden war.
Sprecher der Gruppe ist Stefan Zitzmann, der in der Internet-Gemeinschaft Facebook die Gruppe ,,Kein Museum Sander auf der Mathildenhöhe!" gegründet und in kurzer Zeit fast 550 Mitglieder gewonnen hatte. An der Organisation des Bürgerprotests ist auch Sabine Crook beteiligt, die schon den Widerstand gegen den Bau der Nordostumgehung mitorganisiert hat.
Die Bürger wenden sich gegen eine Veränderung der Mathildenhöhe, die bereits beschlossene Sache ist. Zwischen Alexandraweg und Museum Künstlerkolonie, an der Stelle des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Hauses Christiansen, bauen die Stifter Gisa und Hans-Joachim Sander ein Museum, in dem sie einen Teil ihrer Sammlung zeigen wollen, vor allem Darmstädter Kunst der vergangenen drei Jahrhunderte.
Der an dieser Stelle Ende der fünfziger Jahre errichtete Ernst-Ludwig-Brunnen soll an einen anderen Ort versetzt werden. Nach dem Tod der Stifter soll dieses Museum in das Eigentum der Stadt Darmstadt übergehen. Im Gegenzug überließ die Stadt den Stiftern das Grundstück in Erbpacht.
Alle großen Fraktionen des Darmstädter Stadtparlaments hatten im September 2009 der Grundstücksübertragung in nichtöffentlicher Sitzung zugestimmt, ,,zur Wiederherstellung der städtebaulichen Ordnung von 1901 nach Joseph Maria Olbrich", wie es in der Vorlag hieß. Wenige Monate zuvor war von der Stadt die Rahmenkonzeption zur Mathildenhöhe veröffentlicht worden, in der die Bebauung des Grundstücks ausdrücklich empfohlen wird. Mehrmals sprach sich auch der Denkmalbeirat für den Museumsbau aus. Er empfahl allerdings Änderungen am Entwurf, mit dem das Leipziger Büro Schulz und Schulz den Wettbewerb für den Neubau gewonnen hatte. Wie schon die Wettbewerbsjury empfahl auch der Beirat, die Höhe des Baus, seine Fassadengestaltung und seinen Abstand zum Museum Künstlerkolonie zu überprüfen.
Die Initiative hingegen hat das Ziel, einen Bau an dieser Stelle komplett zu verhindern. Die Stiftung eines Museums werde begrüßt, heißt es in einer am Dienstag verbreiteten Erklärung, Architektur und Standort für das neue Gebäude seien jedoch unpassend. Die ausführliche Diskussion machte deutlich, wie unterschiedlich die Motive des Protestes sind. Sie reichen von der direkten Betroffenheit der Nachbarn über historische und ästhetische Erwägungen bis hin zum Argwohn der Stifterfamilie gegenüber, der man zutraut, sie werde sich über Vorgaben hinwegsetzen; die Rede war vom ,,Ausverkauf der Mathildenhöhe an die Familie Sander". Zudem wurden vielerlei Mutmaßungen angestellt, wie sich der Neubau auf die Bewerbung Darmstadts für die Unesco-Welterbeliste auswirken könnte.
Neben dem Ziel eint auch der Unmut über das Vorgehen der Stadt die Initiative. Der Weg der Entscheidung soll juristisch überprüft werden. Die Gründungsmitglieder stimmten überein in der Einschätzung, dass die Bürgerbeteiligung an den Plänen zu gering oder gar unmöglich gewesen sei. Das wollen sie nun nachholen - mit Infoständen und Unterschriftenlisten, in Gesprächen mit Stadtverordneten und durch Informationen auf einer Internetseite. Kontrovers diskutiert wurde die Frage, ob ein Bürgerbegehren noch möglich ist; in jedem Fall öffneten die juristischen Wege ,,ein breites Feld an Möglichkeiten", kündigte Zitzmann an.
Den Initiatoren ist vor allem die Sachlichkeit der Argumentation ein Anliegen und auch das maßvolle Vorgehen. ,,Sponti-Aktionen mit Trillerpfeifen" wünscht sich Stefan Zitzmann ausdrücklich nicht. Und auch Sabine Crook freute sich bei der Gründungsversammlung: ,,Hier sind ja nicht die üblichen Krawallmacher."  Quelle echo-online